Adam Green Gemstones

Adam Green ist ein eigenartiges Phänomen. Wenn man in meinem Viertel den Boulevard entlangläuft, begegnet man an jedem x-beliebigen Tag achtunddreißig jungen Männern, die sich exakt so kleiden wie er. Das gab es seit Billy Idol – äh – den Gallaghers nicht mehr. Zudem lieben nicht nur diese Nachäffer Adam Green. Auch ihre Freundinnen, ihre Cousins, ihre Nachbarn, ihre Muttis und ihre Mathe-Nachhilfelehrer hören gerne »Friends Of Mine«.
Eine super Sache, dieser Konsens; nicht weil sich alle so einig sind, sondern weil sie es dann doch wieder nicht sind, denn die Liebe zu Adam Green speist sich aus so vielen Gründen, die eigentlich nicht so recht zusammenpassen wollen. Mit »Gemstones«, seinem dritten Solo-Album, liefert Adam Green noch ein paar Vergötterungsursachen nach. Ab sofort wird vielleicht sogar die Erbtante dem großartigen kleinen Adam verfallen, denn Gutfind-Grund No.1, die hemmungslose Ausbeutung abwegigster Genres, erreicht auf »Gemstones« eine neue Qualität. Zwischen Popsong, aufgepusteter Kinderlied-Melodie, Country-Rock und folky Songwriter-Zeug funkelt jetzt auch noch der Tand des Broadway-Musiktheaters. Das passt so gut zum nächsten Liebhab-Argument, Adam Greens legendärer Bühnenpräsenz der verschrobenen Gesten, wie zum übernächsten, dem Wortwitz, den die Intelligenzija unter den Fans schätzt, und zur Albernheit, mit der der clevere Adam kleine Mädchen bezirzt und deren Boyfriends vorgaukelt, keine Konkurrenz zu sein.
Die erweiterte stilistische Breite, die lupenreine cheesy Momente mit einschließt, verbietet »Gemstones«, das Hit-an-Hit-Album zu sein, das »Friends Of Mine« war. Darüber lässt es sich unbedingt glücklich sein, denn diese Dynamik zwischen sehr gut und ganz großartig bietet die Möglichkeit, kurz an das größte Pro-Adam-Argument zu denken – den eigentlich einzig wahren Konsens: Adam Greens Stimme, die selbst mit Saufpolka-Backing funktionieren würde. Er staffiert seine Geschichten mit pummeligen Prinzessinnen, einem von den Strokes, seinen eigenen Songs, Girl- und Boyfriends und dem Präsidenten der USA aus. In manchen Momenten mag man fast glauben, das Zimmer verwandle sich in eine Bühne – und Adam Greens alltäglich-skurrile Gestalten huschen vorbei, während er im Orchestergraben mit allerlei Brimborium den Szenen einen nie passenden, immer treffenden Soundtrack spendiert. Der allerdings steht in merkwürdig abgewandter Position zu all der Albernheit. In den 15 kleinen Gehstock-Revue-Nummern, Folk-Ständchen und flitternden Pop-Stückchen, die in gerade mal einer halben Stunde vorbeiflattern, steckt eine musikalische Ernsthaftigkeit, die »Gemstones« nicht possenhaft erscheinen lässt, sondern einfach wie ein ausgesprochen tolles Pop-Album.

LABEL: Rough Trade Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 24.01.2005

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