Review: A Certain Frank Wildlife Live

Zu Vogelzwitschergeräuschen, melodischem Klöppeln (mit einem irgendwo hinten im Busch sitzenden, unterstrapazierten Steve Reich-Einfluss) und dezenten Field Recordings kommen elektronische Sounds und Beats. Es entsteht eine wirklich ganz nette Melange, wie sie vielleicht auch bei A-Musik zu Hause zur Katzenklobeschallung vorstellbar wäre. Frank Fenstermacher spielt dem wohl besser als Pyrolator bekannten Kurt Dahlke Percussionfederbälle zu, die dieser mit Gefühl und elektronischem Dreh in die Sommerluft retourniert.

Fenstermacher und Dahlke sind bekanntlich schon richtig lange »dabei«. Zuerst mit Der Plan: zeitnahe, schöne Fehlinterpretation von Punk namens Elektro-Pop, von anderen als »NDW« verkorkst, wobei das Schöne bei Der Plan ja wiederum etwas Verkorkstes war. Später: eher nebenbei immer auch noch da, zuweilen Überraschendes absondernd, z.B. als Betreiber des Ata Tak-Labels das erste Oval-Album (Oval? Warum wirkt dieser Name gerade, hier, heute, jetzt nur so dermaßen abgehalftert?) oder eben als A Certain Frank in den letzten Jahren eine Art Easy Listening zweiter Ordnung.

Diese Live-Aufnahmen sind nun anders gelagert bzw. verwachsener. Ungemähter Dub mit Abschweifungen zu krautigem Natur-Acid oder Panflöten-Rave für Wühlmäuse, beschauliches Palimpalim unter einem Nachthimmel, aus dem Glöckchen, Blattwerk, ein verirrter einsamer Mundharmonikasound herabhängen. So klingt das, wenn man seine Instrumente produktiv mit einem Holzkohlegrill verwechselt.

Aufgenommen wurde das entspannte Konzert in einem von dem Künstler Markus Ambach angemieteten »1200qm großen Garten« in Neuss, der sich laut Ambach auszeichnete »durch alten Baumbestand, eine üppige Vegetation und seine inselhaft entrückte Abgeschlossenheit (ihn umgibt eine unüberschaubare Mauer ringsum, die ihn als typischen hortus conclusus ausweist) mitten in der Stadt (direkt zwischen Hauptbahnhof und Shoppingmeile)«, bis kürzlich die freie Marktwirtschaft die Mauern einriss. »Unverhofft zum Gärtner geworden«, habe Ambach »dort in den Sommern 2002/2003/2004 mit vielen KollegInnen (ca. 65 KünstlerInnen, Architekten, Filmemachern, Musikern und vielen Gästen) eine Art Sommerbankett der Künstler jenseits herkömmlicher ökonomischer Strategien veranstaltet.« Ob da nun eher Adel oder Kommune gespielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

LABEL: Ata Tak

VERTRIEB: Ata Tak

VÖ: 16.01.2005

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