Abwärts Krautrock

Rockmusik aus Deutschland, die diesem Land entspricht – Abwärts veröffentlichen ihr neues Album Krautrock.

Eins muss man der neuen Abwärts-Platte lassen: Die Titel der Stücke klingen vielversprechend, lesen sich gut: »Berlin Goerlitzer Park«, »Wachkoma«, »Peking Spring Smog«, »Aus einem Gartenhaus«. Leider verbirgt sich dahinter nicht mehr als selbstgefälliger, breitbeiniger Vollrock, dem jegliche Aufregung abhanden gekommen ist – so, wie man es von den letzten Releases der Gruppe um Frank Z. und Rodrigo González gewohnt war. Schon der Pressetext verteidigt die Platte, mokiert Z. hier doch, in Deutschland sei Humor noch immer ein Fremdwort – wusste da vielleicht jemand bereits, was er da abliefert?

Wenn im ersten Song »Berlin Goerlitzer Park« mit schmieriger Stimme die Sprüche der Drogendealer aus dem Görli nacherzählt werden, findet sich dort kein Humor. Da findet sich eigentlich gar nichts, außer der Beschreibung von etwas Gesehenem – was grundsätzlich auch kein Problem ist. Aber wie steht Z. zu den Dealern? Nerven sie ihn? Bringt er ihnen gegenüber Empathie auf? Eine Position zu diesem viel diskutierten Thema steckt in seinem Text nicht, wird auch nicht durch den Sound transportiert. »Crazy feeling, tief im Müll / Hey, es kickt dich stark / Crazy feeling, es riecht nach Scheiß / Berlin Görlitzer Park.« Ernsthaft? Dieser Refrain ist dann leider auch noch so gelangweilt vorgetragen, dass die Frage aufkommen muss: Ist die Luft endgültig raus? Oder hat Z. nichts gefunden, zu dem er künstlerisch arbeiten möchte, das ihn wirklich interessiert? In »Das Verhör« wird die Spur wieder aufgenommen, aber auch das ist gruselig, lässt sich der Song doch höchstens als subtile Drohung den Dealern gegenüber interpretieren.

Musikalisch hat die Platte ihre (winzigen) Momente, aber niemals über die ganze Länge eines Songs. Und selbst diese Momente sabotiert Frank Z. mit seiner Stimme, zwängt er ihnen doch ein Pathos auf, das er gar nicht füllen kann, suggeriert eine Tiefe, die gefühlt zwischen Hüfte und Kniekehlen schwingt: Hier hängen die Gitarren, hier pendelt das Ego. Was er dabei als Humor versteht, ist eine bloße Verhärtung von Klischees. Und das ist kein Generationenproblem: Bands wie Mutter, Neubauten, EA80 überraschen auch nach über 30-Jahre-langen Karrieren noch. Mit dieser Platte verhält es sich jedoch leider wie mit den letzten Ergüssen der Fehlfarben: Der Saft ist raus. Der Titel des Albums, Krautrock, ist somit bezeichnend: Rockmusik aus Deutschland, die diesem Land entspricht – keine Position, kein Herz, kein Gefühl, keine Leidenschaft.

 

2 KOMMENTARE

  1. Ich finde die neue Abwärts-Platte großartig!
    Wenn man keinen Feinsinn hat, um diesen Humor zu begreifen, sollte man sich besser mit Kommentaren dazu zurückhalten. Sonst wird’s nur peinlich…

  2. Die Scheibe ist in meinen Ohren sehr gut. Herr Z. bezieht sich musikalisch auf „Der Westen Ist Einsam“, welche die Punkbasis nie richtig gemocht hat. Es wird viel zitiert, z.B. Görlitzer Park klingt nach Gang Of Four und Ein Bus Wird Kommnen nach Ein Schiff Wird Kommen, Tante Nana. Auch Aus Meinem Gartenhaus ist ein 3.0-Titel erstmals auf Der Westen Ist Einsam. Gut, den Text von Computerstaat hätte Frank Z. extremer aktualisieren müssen, mein einziger Minuspunkt, anstatt KGB z.B. NSA. Der dunkle Humor ist anwesend, ohne direkte Wertung der beschriebenen Zustände ist nur Ablehnung derer möglich. Wer mit Der Westen Ist Einsam Verständnisprobleme hatte, wird auch hier keine Zuneigung aufbringen können. Übrigens Ich bin ein ALTER SACK, der die Band von Beginn an kennt und mag.

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