About Bongo

Hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich doch noch mal ne Platte vom Holländer bespreche. Aber irgendwie haben mich die Pommes Special vorletztes Wochenende in Roermond milde gestimmt. Außerdem ist Jason Forrest formerly known als Donna Summer nicht nur ein durchgeknallter Motherfucker, der das Laptop live spielt wie kein Zweiter und sein Herz beim Pokern an glasierte Seventies-Rock-Schmocks verspielt hat, sondern auch ein extrem aufmerksamer Labelmacher (Cock Rock Disco) und Festivalkurator (Wasted). Der Typ stöbert auch noch unter dem schäbigsten Stein im entrücktesten Winkel der sog. westlichen Welt jemanden auf, der aus etwas Spucke und ein paar Schellacks seiner Oma geile Breakbeats kleistert. Und eben so jemand ist Rutger Hoedemaekers aka About. »Bongo« ist sein erstes Album ? und es klingt, wie es heißt. »Teen girls, gay men, kittens, puppies and architects will all adore it. Really«, meint Forrest, und ich schätze, dass er weiß, wovon er spricht. Und da unsere Klientel sich vornehmlich aus erwähnten Zielgruppensubgruppen speist, könnt ihr euch, liebe Leser, dieses poppende Spängchen aus Amsterdam ganz wunderbar ins Haupthaar klemmen. Siehe, es passt wie angegossen. Hoedemaekers schreddert alles, was nicht bei drei fest auf der Festplatte verankert ist ? sei es Noise, Top 40, Schmockrock, Musique concrète, Country'n'Folk, Drumsoli, Feedbacks, Satie, Störgeräusche, Eighties-Pomp, fiese Synthfieps … ihr benennt es ?, zu wundervollen kleinen Popkostbarkeiten. Außerdem ist er der Meister der Neckbreakbreaks, so außerordentlich funky, melodiös und unintellektuell hat schon lange keiner mehr gehakt. Darüber singt er, manches Mal in zauberhafter weiblicher Begleitung, ganz unironisch songhaft, immer mit Hang zur mittelgroßen Melodie und nicht selten zur Melancholie. Gut, in ein, zwei schwachen Momenten klingt About wie ein beflissener Physikstudent, dem der Teilchenbeschleuniger ausgeglitscht ist, in allen anderen aber klöppelt er seltenst gehörte, auf- und anregende Popmusik zusammen, die sich nur selten bestehenden Formaten unterwirft. Und das ist keine kleine Leistung (Fortsetzung folgt in der Juni-SPEX).

LABEL: Cock Rock Disco

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 17.03.2006

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.