Abe Vigoda

Abe Vigoda sind keine gewöhnliche Band. Das aus Los Angeles stammende Quartett hat bereits mit ihrem zweiten Album »Skeleton« einen vollkommen eigenständigen Sound kreiert, der vorwiegend auf Elementen der karibischen Musik basiert und damit der heutzutage virulent grassierenden Konventionalität des Indie- und Punk-Rocks selbstbewusst widerspricht. Besonders die in Trinidad erfundene Steelpan scheint es den ursprünglich aus Ohio stammenden Musikern angetan zu haben. Allerdings ist dieses Instrument auf »Skeleton« nicht ein einziges mal zu hören, aber der warme und gleichzeitig metallisch scheppernde Klang der Steelpan wird von den Gitarren, unter Zuhilfenahme entsprechender Effekte, einfallsreich simuliert. Ein im Punk traditionsschweres Instrument wie die Gitarre wird damit als reines Klangmedium genutzt.

    Damit stehen Abe Vigoda mit Bands wie Health oder No Age in Verbindung, die ebenfalls daran Gefallen finden, die bereits zu genüge erkundeten Territorien der Punk-Musik hinter sich zu lassen, um neue Regionen zu erforschen. Kein Wunder, gehören doch diese Bands einer experimentierfreudigen Szene an, die sich um den in Los Angeles ansässigen Club The Smell gruppiert, in dem nicht nur Indie- und Punk-Klänge erlaubt sind, sondern auch regelmäßig die amerikanische Noise-Szene mit kreischender Geräuschkulisse gastiert. Dieser für Amerika offenbar typische, genreübergreifende Austausch ist auch bei Abe Vigoda zu beobachten.

    Das mit der Steelpan klanglich verwandte Daumenklavier und ein damit korrespondierendes Interesse für die komplizierten Polyrhythmen afrikanischer Folklore trifft auf ein intuitives Gespür für fesselnde Pop-Hooks – am eindrucksvollsten ist dies in dem »Opener Dead City / Waste Wilderness« zu hören. Ebenso interessant sind die dezent eingesetzten Lärmpassagen, die gleichwohl mit zugänglichem Songwriting verwoben werden – besonders gut hörbar in dem Stück »Live-Long«. Diese auf zwei Akkorden basierende Pop-Hymne endet in einem Tornado aus treibenden Schlagzeugbeats, welche von einer mächtigen Gitarrenwand eingesogen werden. Überhaupt erscheint das Klangbild von Abe Vigoda sehr dicht – bleibt jedoch stets transparent und nachvollziehbar. So erkennt man bei genauem Hören, dass die stark verfremdeten Gitarren ihrem Sound einen glitzernden Kometenschweif aus Obertönen mitgeben. Überhaupt ist es der eigentümliche Klang von Abe Vigoda, der die äußerst kurzlebigen Songs zu hypnotischen Großereignissen werden lässt, in denen man sich gerne verliert. Die dreißig Minuten Spielzeit von »Skeleton« gleichen einer halben Ewigkeit.

    Mit den Künsten der psychedelischen Musik sind Abe Vigoda also auch vertraut und es ist nicht verwunderlich, dass ihre Musik als tropischer Punk bezeichnet wird. Die Tradition brasilianischer Psychedelia wie Os Mutantes oder Caetano Veloso kommt einem hier in den Sinn. Letzten Endes spielt es allerdings keine Rolle mit welchen Referenzen man Abe Vigoda in Verbindung bringt. Ihre Musik besitzt schließlich die wunderbare Eigenschaft, aus vielen unterschiedlichen Einflüssen etwas Einzigartiges zu erschaffen – das Einzige was zählt!

LABEL: Bella Union / Cooperative Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 14.11.2008

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