Aavikko Back From The Futer

Da sind sie wieder, die drei wachsgesichtigen Kings of Casio-Core, und machen ein weiteres Mal Musik, die stoisch ihrer Hochgeschwindigkeitsgestrigkeit frönt. Entgegen allem Geraune ist das weder der totale Wahnsinn noch besonders bizarr ? und, bitte, kein neuerlicher Beweis für die allzu grundsätzlich spinnerten Finnen. Vier Jahre haben sich Tomi Leppänen, Paul Staufenbiel und Tomi Kosonen Zeit genommen, um von ihrem letzten Album »Multi Muysic« aus in die Zukunft zu reisen und wieder zurückzukommen aus dieser wenig sexy nach eitrigen Krankheiten und kötrigen Kleintieren klingenden »Futer«. Und tatsächlich: Aavikko haben in dieser Zukunft nur das gefunden, was man vor 30 Jahren dort zu finden vermutet hätte ? heimwehkranke, singende Cyborgs, mechanisch bellende Hündchen, weltenraumverlorene Morse-Signale, die Freuden der Automation preisendes R2D2-Gefiepse. Ein bisschen hübsch neu ist wenigstens die Idee von »Wot Wot NeoZulu«, in dem die »futer people« mit gekreuzten Lasersoundschwertern auf arme Savannenbewohner, gerüstet nur mit Pharoah Sanders-Saxophon und Bongotrommel, losgehen. Ein böser Kommentar auf afrofuturistische Utopien? Ist Aavikko wahrscheinlich piepegal. Hauptsache, der Käse-Pogo brezelt: Da werden alle Regler auf- und zugedreht, da wird der Sounderzeuger zum Zwitschern und Tremolieren gebracht, der Pitch-Bend-Schieber munter hoch und runter gedrückt ? und heraus kommt die erwartbare Mischung aus Sci-Fi-70er-Soundträckerei, Disco-Gesurfe, technikfetischisierender Kraftwerkerei, Cowboy-Galoppaden und C64-Ballerkram. Schon: Die Melodien sind Fangnetze, die Drumparts gehen ins Gebein, dem Live-Georgel von Aavikko ist weiterhin umstandslos zuzuraten. Aber was man jetzt mit diesen altbackenen Zukunftsvisionen, die sich irgendwie die Hand geben mit retro-schwiemeligen Kollektiverinnerungen an Partys in Hobbykellern, auf einem ganzen Album anfangen soll, kennt nur eine Antwort: Den Einmal-Witz Senor Coconut-mäßig mit schmalem Grinsen zack-bumm verpuffen lassen.

LABEL: PM Records

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 27.06.2005

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