Aardvarck Cult Copy

Ist es nicht seltsam, dass diese Musik, von der wir hier jetzt sprechen werden, einst erfunden wurde, weil sich Menschen nach einem anderen Ort sehnten, an dem sie glücklich sein konnten ? und dass heute, bald 20 Jahre später, überall auf der Welt andere Menschen sich genau an diesen Ort wünschen, dem die Innovatoren damals so dringlich entfliehen wollten? Es gibt keine Spielart von House und Techno, die ein derartiges Epigonentum hervorgebracht hat wie Detroit Techno. Und das ohne stilistische Grenzlinien, schließlich ist Detroit Techno kein Stil, sondern ein Gefühl, das ganz unbestimmbar in der Mitte zwischen House und Techno verharrt. Dieser Sound ist in all seiner zeitlosen Erhabenheit die weltweite Masterreferenz für jeden Produzenten elektronischer Musik, der will, dass seine Platten auch in noch mal 20 Jahren etwas taugen. Ein ganz eigener Klassizismus ist da entstanden. Eine der Bastionen schon immer: das vermeintlich beschauliche Holland, ausgerechnet. Aus Amsterdam kommend haben vor allem die bislang drei Maxis von Aardvarcks »Cult Copy«-Serie einiges an Aufregung unter den Anbetern des Schreins »Detroit« (und welcher Techno-Wertschätzer, außer ein paar verschranzten Hotzes, ist das nicht?) verursacht. Kein Wunder, schließlich umschließen sie alles, was House und Techno ausmacht: Zuerst mal die Abfahrt zu krassen Frequenzen natürlich. Zugleich aber auch den melancholischen Retrofuturismus, der aus dieser Musik strömt wie aus Derrick Mays alten sowie aus Carl Craigs alten und ganz neuen Veröffentlichungen. Dabei auch die Spiritualität, die wie bei Theo Parrish aus runtergeschraubten, kurz vor dem Zerfall stehenden Beats aufweht. Das zwischen Oberflächlichkeit und Tiefe Pendelnde wie bei Inner City. Und natürlich auch das Kaputte, Dreckige, Durchgeravete und Abgefuckte, das seit jeher ebenso dazugehörte wie das Glitzern. Damit umfasst diese Art von Techno, Detroit Techno, das ganze Leben. Und wenn man das, wie hier, zusammengefasst auf einer CD bekommt, was könnte man mehr wollen von Musik?

LABEL: Rush Hour

VERTRIEB: Neuton

VÖ: 01.01.1970

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