„60% Autobiografie, 70% Dada“ – Indieband U3000 zeigt No-Budget-Film / Interview

Konfrontation Berlin. Filmstill aus „U3000 - Tod einer Indieband“

Einen 87-Minuten-Film mit dem Smartphone zu drehen, ist Leistung genug. Wenn er dann noch unterhaltsam die marktwirtschaftliche Realität der Musikwirtschaft aufs Korn nimmt, hat man einen zukünftigen Klassiker vor Augen: U3000 – Tod einer Indieband feiert morgen im Berliner Babylon Kino Weltpremiere – SPEX sprach mit Regisseur Hannes Wesendonk.

Kennen Sie noch U3000? Nein, nicht die durchgeknallte U-Bahn-Talkshow von Christoph Schlingensief (Empfehlung!), sondern die deutsche Indieband, die vor einigen Jahren ein paar veritable Untergrund-Hits in die Stratosphäre knüppelten. „Niemals“, zum Beispiel, feierte damals bei SPEX Premiere, was schon etwas heißen will! Heute ist der Hype vorbei, die Kohle weg und Schlagzeuger Anska soll noch dazu ein Kind angehängt werden, das nicht seines ist – zumindest wenn man dem No-Budget-Film U3000 – Tod einer Indieband glaubt, der am 17. Februar im Rahmen des Berlin Independent Film Festival 2018 im Babylon Kino Premiere feiern wird.

Ruhm und Erfolg werden im ausschließlich per Smartphone gedrehten Film in den ersten fünf Minuten abgespeist. Die restlichen 82 beobachtet man die gescheiterten Bandmitglieder dabei, wie sie sich zwischen Spielothek, Würstchenbude und unbeheiztem Dachgeschoss über Wasser halten, ohne die Hoffnung auf den nächsten großen Coup jemals aufzugeben. Mit dabei sind haufenweise Cameo-Auftritte von befreundeten Künstlern der Berliner Szene: High-Energy-Schlagerlegende Tomas Tulpe mimt den Verbrecherboss, dessen Gigs nur Tarnung für zwielichtige Geschäfte sind, sein Schlägertrupp besteht unter anderem aus Rummelsnuff. Und Isolation Berlin sind die finalen Antagonisten der Sympathen von U3000.

 

Regie führte bei U3000 – Tod einer Indieband Hannes Wesendonk, der bei U3000 nebenbei auch als Lead-Sänger jobbt. Das Drehbuch hat er gemeinsam mit Josefine Rieks geschrieben, mit der SPEX in der aktuellen Ausgabe No. 379 über ihren Debüt-Roman Serverland spricht. Im Vorfeld der Weltpremiere sprachen wir nun auch mit Wesendonk über seinen Film.

Hannes Wesendonk, wie kann man sich den Weg zum No-Budget-Film vorstellen?
Unser Schlagzeuger Anska hat einen neuen Handyvertrag bekommen, bei dem ein iPhone 6 dabei war. Damit haben wir gedreht. Er hat die Hauptrolle bekommen. Für die Logistik am Set war unser Bandbus am wichtigsten, ein kanadischer Dodge Ram Baujahr 2002.

Welche Filme haben Sie inspiriert?
Solo Sunny, The great Rock’n’Roll Swindle, 24hour Party People, Der Eisbär.

Wie viel Dada und wie viel Autobiografie steckt im Film?
Klar, alles kommt immer irgendwoher, entweder wir haben es erlebt oder wir hatten Angst davor es zu erleben. Also würde ich sagen der Film ist 60% Autobiografie und 70% Dada.

Wollen Sie, dass die Fans irgendwelche Rückschlüsse ziehen oder soll der Film einfach für sich stehen?
Wir würden uns wünschen, dass Leute auf einem Konzert stehen und denken „Boah, dich habe ich auch gesehen, als du ganz unten und verzweifelt warst, in diesem Film nämlich. Aber wieso lebt der Drummer noch?“

Ist die Band jetzt wirklich tot oder handelt es sich beim Ganzen um eine gewiefte Promoaktion für ein Comeback?
Mark E. Smith hat mal gesagt „Wenn ich mit deiner Großmutter auf der Bühne stehe, dann sind das The Fall.“ Die Band wird also erst tot sein, wenn der Letzte von uns tot ist. Das mit dem Comeback verstehe ich nicht. Unsere letzte Tour war erst im Sommer 2016. Darf man denn nicht mal in Ruhe einen Film drehen ohne gleich als abgesägt zu gelten?

U3000 – Tod einer Indieband wird am 17.02. im Rahmen des Berlin Independent Film Festivals im Babylon Kino uraufgeführt. Das komplette Programm können sie hier einsehen. Für die aktuelle SPEX No. 379 sprachen wir mit Josefine Rieks, die das Drehbuch des Filmes mitgeschrieben hat. Diese Ausgabe kann versandkostenfrei in unserem Shop bestellt werden.

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