50 Jahre 1968: Neue Perspektiven in zwei Ausstellungen in Berlin

Foto: Bällewerfen (Házení míčů) in den Bořín Teich, Happening in Průhonice, April 1969 © Jan Ságl / Sammlung Muzeum Sztuki, Łódź

Da müssen wir durch, weil wichtig: Es ist gerade mal März und man ist der omnipräsenten 2018/1968-Rückblende beinahe schon überdrüssig. Doch die Akademie der Künste Berlin findet mit zwei spannenden Ausstellungen frische Ansätze zum alten Thema.

Peace-Zeichen, verzerrte Gitarre und San Francisco beiseite: 1968 war nun mal ein verdammt wichtiges Jahr für so ziemlich jede Subkultur, auch wenn es meist auf die Achse Hendrix, Dylan, Haight/Ashbury reduziert wird. Um auch ein paar andere Sichtweisen auf dieses mit Um- und Aufbruch konnotierte Jahr zu Wort kommen zu lassen, zeigt die Akademie der Künste in Berlin vom 15. März bis zum 6. Mai gleich zwei Ausstellungen, deren Fokus 1968 beginnt.

Zum einen findet dort Notes from the Underground – Alternative Art and Music in Eastern Europe 1968 – 1994 statt: eine Werkschau einer ganzen Generation von Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeit zum Spielball politischer und nationaler Interessen wurde. Es geht um das Zusammenspiel von visuellen Künstlern und Musikern in Osteuropa, um Kollektive und Bands, und darum, ob man vor Zensur und Kontrolle in den Untergrund flüchten kann. Wie in anderen repressiven Kontexten auch, schufen sich die Künstler ihre eigene codierte Sprache, um Politik zu thematisieren. Gezeigt werden zum Beispiel selbst kreierte Musikinstrumente, Zeitschriften und aufgenommene Aufführungen, kuratiert von David Crowley und Daniel Muzyczuk.

Zum anderen zeigt die Akademie der Künste auch die Ausstellung Free Music Production / FMP: The Living Music. Von Markus Müller kuratiert widmet sich diese dem Westberliner Label FMP, das 1968 von Künstlern gegründet wurde. Free Music Production war in den Siebzigern und Achtzigern eines der wichtigsten deutschen Labels für experimentellen Free-Jazz – hier veröffentlichten Größen wie Alexander von Schlippenbach, Peter Brötzmann, Albert Mangelsdorff oder Heiner Goebbels. Dass die Akademie der Künste sich mit der 2010 geschlossenen Plattenfirma beschäftigt, ist übrigens kein Zufall: Früher fanden dort FMP-Konzerte und -Veranstaltungen statt und auch zur kommenden Ausstellung soll es ein Konzertprogramm geben.

Notes from the Underground – Alternative Art and Music in Eastern Europe 1968 – 1994
Free Music Production / FMP: The Living Music
15.03 – 06.05. Berlin – Akademie der Künste
Alle weiteren Infos finden Sie hier.

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