3852

Gemäß ihrer (alten) Pager Codes nennen sich Fat Jon (35) und J. Rawls (82) für ihre gemeinsame Sache 3582. Zuletzt brachten sie mit »Living Soul« einen herzerwärmenden Kopfnicker an die besseren Tage des schnell eingeschlafenen Genres Acid Jazz. Think melody! Das gilt auch in 2.0.0.3. Schon klar, dass Lounge Sounds hier nicht irgendeine abge»wien«erte (har) Fahrstuhlmelodik meinen können. Wohlige Live Sounds, die bescheiden klingen, aber bewusst, und nicht dem vergleichsweise geringen Produktionsbudget gedankt. Gemäßigt-stille, satt-lässige Drums, Bar-Piano, eine Querflöte. Und dann wieder breite Beats, fluffer Girl Chorus, gerader Reim. Es gibt so gar nichts zu meckern an diesem Album. Schöne Unterhaltung ist das, sehr hypefern das Ganze, da kann Jay-Z noch so sehr Favorit der beiden sein. J Rawls reimt immer (noch) nur, wenn’s wirklich was zu sagen gibt und besinnt sich sonst auf die instrumentelle Vertonung seiner ehemaligen human Beat-Box-Qualitäten. Es ist ein bisschen alt, immer A Tribe Called Quest auf den Plan zu zitieren, wenn es um Melodik, Bewusstsein und Reime nach Maß alter Schule geht. 3582, die sich neben ihrer Kooperation noch 82einhalb anderen Projekten widmen (Lone Catalysts, Five Deez, Rebel Clique, Pole (!)…) interessiert vor allen Dingen die eigene Verfassung, Sinn für das Selbst und sie geben zu Protokoll, eben dies ginge dem HipHop heutzutage massivst ab. Entsprechend dreht sich »Situational Ethics« um die Handlungsfähigkeiten und -möglichkeiten in verschiedensten Lebenssituationen. Und nicht um Mainstreamers Credo »Gotta get this money«. Wo einem bei Prince Paul allmählich die Hutschnur reißt und nicht nur Tacheles gerappt, sondern die tricks of the (big) trade vereinnahmt werden (was ja auch seinen Reiz hat), bleiben Fat Jon und J. Rawls entspannt ihrer Sache treu. Es gibt genug zu sagen, genug Instrumentals zu veröffentlichen (»Histories Greatest Battles, Campaigns & Topics«), genug Weggefährten, die darauf brennen, gute Musik mit wenig Grenzen zu machen. Für Fat Jon schafft eine Erkenntnis klare Fronten: »Mein größter Fehler war es, anzunehmen, ich könne Leuten vertrauen. In diesem Geschäft ist kein Platz für Vertrauen, Vertrauen gilt als Schwäche. Es hat nichts zu tun mit Verkaufszahlen, Marketing, Promotion oder sonst was. In diesem Geschäft geht es darum, ein Produkt zu liefern und dafür in jeder Hinsicht vernünftige Arbeit zu leisten. Da gibt es keinen Platz, um irgendwem zu vertrauen. Wichtig ist, dass alle ihren Job machen. Das ist ein Unterschied.« Wer so trocken und präzise formuliert, worum es im Geschäft geht und dabei gleichzeitig soviel Herz in seine Musik zu legen weiß, macht etwas richtig. Und zwar hundertpro.

LABEL: Hum Drums

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 31.01.2003

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