Für Nerds und Romantiker

attack-the-block-stillStandbild: Attack The Block (GB 2011)

    Töne der Angst heißt das Buch von Frank Hentschel über die Geschichte und Wirkung von Musik in Horrorfilmen, das in der neuen Ausgabe der Spex vorgestellt wird. Mit welchen Tönen die Filmkomponisten aktueller Produktionen des Genres Angst und Schrecken hervorrufen, lässt sich von heute an in mehreren deutschen Städten bei der 25. Ausgabe des FANTASY FILMFESTS erfahren.

    Das Filmfest hat sich von seinen bescheidenen Anfängen als Wochenendveranstaltung für B-Film-Enthusiasten in Hamburg über zweineinhalb Jahrzenten hinweg zum wichtigsten Forum für Genre-Filme hierzulande entwickelt. Mit dem Festival ist dabei auch das Programm-Spektrum gewachsen: Neben Horrorfilmen in allen Schattierungen – von Teenie-Slasher-Komödien über Variationen des Zombie-Themas bis zu blutigen Splatter-Orgien – werden auch Science-Fiction-Werke, Noir-Thriller und in der Reihe Focus Asia sorgfältig ausgewählte Beiträge aus Japan, Südkorea und Hong Kong gezeigt. Die meisten Filme sind dabei nur im Rahmen des Filmfest auf deutschen Leinwänden zu sehen und tauchen höchstens Monate später auf Silberscheiben in den Videotheken wieder auf. Dass es immer wieder einige der gezeigten Genreperlen ins reguläre Kinoprogramm schaffen, ist unter anderem dem Publikumspreis des Filmfests zu verdanken, den viele Verleihfirmen inzwischen als Testfeld für neue Filme entdeckt haben. Die fachkundigen Freaks im Publikum zeigten in den vergangenen Jahren bei ihrer Auswahl jedenfalls erstaunlich viel Geschmackssicherheit für Kinoereignisse abseits des Mainstreams: Zu den Siegern zählten unter anderem Four Lions von Chris Morris, District 9 von Neill Blomkamp, JCVD von Mabrouk El Mechri und Ex Drummer von Koen Mortier.

    Zum 25. Jubiläum des Fantasy Filmfests haben wir dessen Programmleiterin Frederike Dellert befragt und stellen einige Highlights der diesjährigen Ausgabe vor.

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INTERVIEW: Frederike Dellert

fantasy-filmfest-frederike-dellertDas Vorwort zum Programmheft des ersten Fantasy-Fimfest von 1987 liest sich wie eine Mischung aus Fanzine-Artikel und wissenschaftlicher Abhandlung. Man könnte meinen, dass es sich dabei um eine Veranstaltung von Hardcore-Enthusiasten für Gleichgesinnte handelte. Würden Sie dieser Einschätzung zustimmen und hat sich die Intention des Festivals im Laufe der Jahre geändert?

FREDERIKE DELLERT    In der Gründerzeit war das Fantasy Filmfest sicher ein Treffpunkt für Horrorfans, und auch heute noch sind es oft sehr verstörende Filme, die einen besonderen Stellenwert im Programm einnehmen wie z.B. vor ein paar Jahren Irreversible oder Martyrs. Beide sorgten für enormen Andrang, haben das Publikum geschockt und zeigten zudem, wie unterschiedlich extreme Filme sein können. Aber abgesehen von den vereinzelten »Skandalfilmen« ging es dem Festival immer um die Vielfältigkeit des Genres. In diesem Punkt sind wir mit den Jahren offener geworden. »Arthaus« hat mittlerweile einen festen Platz beim Fantasy Filmfest und wir sprechen schon längst ein sehr breites Publikum an. Asiafans, Mainstreamgänger, Kunstinteressierte, selbst Romantiker können bei uns fündig werden.

Vor 25 Jahren schien der Begriff »Fantasy« für das Festival noch ziemlich genau umrissen: Das Programm bestand fast ausschließlich aus Horrorfilmen. Inzwischen finden sich im Programm Filme, die auch auf Mainstream-Festivals laufen und das Genre-Spektrum ist weit gefächert. Wie definieren sie den Begriff heute?

FD    Wir wollten »Fantasy« eigentlich nie konkret definieren, sondern machen Angebote. Wie der Einzelne Filme erlebt, was ihn gruselt oder seine Fantasie anregt, das ist ja sehr subjektiv. So suchen wir nach originellen Geschichten, herausragenden Schauspielleistungen oder technisch Visionärem und stellen daraus ein möglichst buntes Programm zusammen. Es können leise, psychologische Filme sein oder welche, die richtig knallen. Neben vielen Indie-Entdeckungen freuen wir uns auch über die eine oder andere Mainstream-Produktion, denn groß produziertes Popcorn-Kino ist eine schöne Abwechslung.

Horror- und andere Genre-Filme sind heute viel stärker im Kino-Mainstream vertreten als noch Ende der Achtziger Jahre. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

FD    Das hat sicher viele Gründe. Der deutsche Kinozuschauer schaut traditionell wohl am liebsten Komödien und hat mit gruseligen und gewalttätigen Themen Berührungsängste. Dass das Genre intensive, anregende Unterhaltung bieten kann, hat sich mit der Zeit aber doch herumgesprochen, der Genrefilm ist kein Tabu mehr. Vielleicht auch durch Überraschungserfolge wie The Blair Witch Project oder den Hype um die Film-Twists von M. Night Shyamalan, sicher durch die gute Mischung aus Horror und Humor in Scream. Aber Horrorfilme sind kommerziell in Deutschland nach wie vor keine Selbstläufer. Viele amerikanischen Blockbuster landen hier als Flopps.

Gibt es einen Titel des diesjährigen Programms, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

FD    Einer der spannendsten Entdeckungen ist Rabies, der erste israelische Horrorfilm im Programm seit Bestehen des Festivals und gleich ein Volltreffer. Spannend, rigoros, clever und witzig. Unbedingt bis nach dem Abspann sitzen bleiben, da kommt noch ein Gag.

Fünf besondere Filme beim Fantasy Filmfest >>

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