2005 auf 5,8%

Die politische Prominenz schmückt sich zur Zeit ja gerne mit Statements pro musikalische Nachwuchsförderung am Standort Deutschland und flanierte in diesem Kontext recht unelegant über die Panels und durch die Messehallen der Popkomm. Wenn es ans Eingemachte geht ist allerdings von Solidarität mit f …
Die politische Prominenz schmückt sich zur Zeit ja gerne mit Statements pro musikalische Nachwuchsförderung am Standort Deutschland und flanierte in diesem Kontext recht unelegant über die Panels und durch die Messehallen der Popkomm. Wenn es ans Eingemachte geht ist allerdings von Solidarität mit freischaffenden Künstlern und Veranstaltern dann nicht mehr viel zu sehen. So ließ das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung am 29. September verlauten, dass die Künstlersozialabgabe 2005 von derzeit 4,3 Prozent auf 5,8 Prozent angehoben werden soll. Klingt vielleicht erstmal nicht viel, heißt aber de facto: wer vorher z.B. 100000 Euro Abgabe bezahlte, zahlt nun gut 130000 Euro. Dazu kommt, dass die geplante Erhöhung nicht die erste ist, vielmehr lag der Satz im Bereich Musik vor 6 Jahren noch bei 1,6 Prozent, so dass seit 1998 von einer Steigerung um 362% gesprochen werden kann.

Bei der Künstlersozialabgabe handelt es sich um eine Umlage, die Unternehmen aus den vier Bereichen Wort, Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst an die Künstlersozialkasse abgeben müssen. Die Höhe der Abgabe wird durch die Summe der Entgelte, die im Laufe des Jahres an Künstler bezahlt wurden, und eben durch diesen festgelegten Prozentsatz berechnet.
Die Künstlersozialkasse (die nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz die Hälfte der Versicherungsbeiträge von selbständigen Künstlern und Publizisten übernimmt) wird durch diese Abgaben der Unternehmen und durch einen Zuschuss des Bundes finanziert. Dieser Zuschuss wurde erst im Jahr 2000 von 25 auf 20% gesenkt.

Wie das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung zu der Annahme kommt, »dass die Erhöhung der Künstlersozialabgabe keine nennenswerten Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen und das Preisniveau haben wird« ist absolut nicht nachvollziehbar. Auch Michael Russ, Präsident des Verbands deutscher Konzertdirektionen (VDKD), findet, dass diese Behauptung »jeglicher Lebenserfahrung widerspricht«, denn »im musikalischen Bereich, bei Konzertvermittlern, Konzertveranstaltern sowie bei Konzertagenturen wird mit freiberuflichen Künstlern gearbeitet. Meist werden hohe Honorare gezahlt, die dann auch zu hohen Künstlersozialabgaben führen. Wenn hier in einem Segment Preissteigerungen von 35 Prozent vorgenommen werden, hat das fatale Auswirkungen. Erneut wird privatwirtschaftliches Engagement erschwert, das wesentlich zur kulturellen Vielfalt in Deutschland beiträgt. Die Behauptung des Bundesministeriums, die Erhöhung der Künstlersozialabgabe habe keine nennenswerten Auswirkungen (…) ist schlicht falsch.« Der VDKD hat bereits Protest gegen die geplante Erhöhung beim Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung eingelegt und wird dabei vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (idkv) unterstützt.

Zu den Auswirkungen, die die geplanten Erhöhungen auf die Künstler selbst und die Konzertgänger haben könnten äußerte sich Konzertveranstalter Berthold Seliger in einer Presseerklärung. Seliger befürchtet, dass zwei sehr unangenehme Entwicklungen zu erwarten sind. Bei Konzerten erfolgreicher Künstler wird die Erhöhung der Künstlersozialabgabe voraussichtlich direkt an die Ticketpreise weitergegeben, bei Konzerten von kleineren Bands und Künstlern, bei denen eine Preissteigerung nicht durchzusetzen ist, ist zu erwarten, dass die Gagen verringert werden. So viel also zum Thema »Soziale Sicherung«.
Seliger schließt seine Erklärung mit den Worten: » Die Erhöhung der Künstlersozialabgabe ist eine Ohrfeige für jeden Musikliebhaber hierzulande – die rot-grüne Bundesregierung, die zu ihrem Amtsbeginn noch vollmundig die Förderung von Kunst und Kultur angekündigt hat, hat längst schlapp gemacht und sich aus jeder konstruktiven und sinnvollen Kulturpolitik verabschiedet.« Dem haben wir an dieser Stelle nichts hinzuzufügen.

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